Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie und Prävention bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch in der kalten Jahreszeit kann Ausdauersport einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Herzgesundheit, zur Leistungssteigerung und zum allgemeinen Wohlbefinden leisten. Winterliche Bedingungen stellen jedoch besondere Anforderungen an Herz und Kreislauf und erfordern bei kardiologischen Vorerkrankungen eine bewusste und gut geplante Herangehensweise.
Positive Effekte von Ausdauersport bei Herzerkrankungen
Richtig dosierter Ausdauersport kann:
- die kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit verbessern
- den Blutdruck und Ruhepuls senken
- den Blutzucker- und Fettstoffwechsel positiv beeinflussen
- Symptome wie Belastungsdyspnoe reduzieren
- das psychische Wohlbefinden und die Belastbarkeit im Alltag steigern
Gerade im Winter hilft regelmäßige Bewegung zudem, Bewegungsmangel, Gewichtszunahme, ansteigenden Blutdruckwerten und winterbedingter Antriebslosigkeit entgegenzuwirken.
Besondere Belastungsfaktoren im Winter
Bei niedrigen Temperaturen reagiert der Körper mit einer Verengung der Blutgefäße. Dies kann:
- den Blutdruck erhöhen
- die Herzarbeit steigern
- bei empfindlichen Personen Brustenge (Angina pectoris) begünstigen
Kalte, trockene Luft kann zusätzlich die Atemwege reizen. Schnee, Eis und eingeschränkte Sicht erhöhen außerdem das Sturz- und Verletzungsrisiko.
Allgemeine Trainingsempfehlungen
- Ärztliche Abklärung: Belastbarkeit, Trainingsintensität und eventuelle Einschränkungen sollten individuell festgelegt werden.
- Moderate Intensität: Orientierung an der empfohlenen Trainingsherzfrequenz oder am „Talk-Test“.
- Ausreichendes Aufwärmen: Mindestens 10–15 Minuten, besonders bei Outdoor-Sportarten.
- Kleidung: Mehrschichtprinzip, Wind- und Kälteschutz, Schutz von Kopf, Händen und Atemwegen.
- Regelmäßigkeit vor Intensität: Lieber häufiger und moderat als selten und sehr anstrengend.
Geeignete Ausdauersportarten im Winter
Gut kontrollierbare und meist gut verträgliche Sportarten sind:
- Zügiges Gehen und Nordic Walking
- Ergometertraining oder Indoor-Radfahren
- Schwimmen in Hallenbädern
- Langlaufen (klassisch oder skating bei guter Technik)
Diese Sportarten erlauben eine gleichmäßige Belastung und ein gutes Belastungsmanagement.
Ski Alpin bei kardiologischen Vorerkrankungen
Ski Alpin ist kein klassischer Ausdauersport, sondern eine Kombination aus Kraft-, Koordinations- und kurzfristiger hoher Belastung. Für Herzpatientinnen und -patienten gilt:
Mögliche Herausforderungen:
- kurze, teils intensive Belastungsspitzen
- Kälteexposition in größerer Höhe
- erhöhte Unfall- und Verletzungsgefahr (und Blutungsgefahr bei Einnahme von Blutverdünnern)
- oft eingeschränkte Selbsteinschätzung der Belastung
Empfehlungen:
- nur bei stabiler Herzerkrankung und guter Grundkondition
- langsames Einfahren, häufige Pausen
- Vermeidung steiler, anspruchsvoller Pisten
- keine Wettkampfsituationen oder Zeitdruck
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Energiezufuhr
- sofortige Pause bei Brustschmerzen, Atemnot oder Schwindel
Ski Alpin kann für erfahrene, gut eingestellte Patientinnen und Patienten möglich sein, sollte jedoch nicht die einzige Form der körperlichen Aktivität darstellen.
Tourenski – besondere Vorsicht geboten
Das Tourenskigehen ist aus kardiologischer Sicht besonders anspruchsvoll, da es:
- eine langandauernde Ausdauerbelastung darstellt
- häufig mit starken Steigungen verbunden ist
- in Höhenlagen mit reduzierter Sauerstoffverfügbarkeit stattfindet
- zusätzliche Risiken wie Lawinengefahr, Erschöpfung und Kälte birgt
Für Herzpatientinnen und -patienten gilt:
- nur nach ausführlicher kardiologischer Untersuchung
- sehr gute Grundlagenausdauer erforderlich
- gleichmäßiges, langsames Tempo ohne „Überziehen“
- Puls- oder Leistungskontrolle dringend empfohlen
- realistische Tourenplanung mit ausreichend Reserven
- Abbruch der Tour bei ungewöhnlicher Erschöpfung oder Beschwerden
Für viele Betroffene ist das klassische Tourengehen nur eingeschränkt oder gar nicht geeignet. Alternativ kann Skilanglauf oder Ergometertraining eine deutlich sicherere Option darstellen.
Warnzeichen – wann abbrechen?
Das Training sollte sofort beendet und ärztlich abgeklärt werden bei:
- Brustschmerzen oder Druckgefühl
- ausgeprägter Atemnot
- Schwindel, Benommenheit oder Herzrhythmusstörungen
- ungewöhnlicher Erschöpfung
Fazit
Ausdauersport im Winter ist bei kardiologischen Vorerkrankungen grundsätzlich möglich und sinnvoll, erfordert jedoch besondere Aufmerksamkeit. Gleichmäßige, gut steuerbare Belastungen stehen im Vordergrund. Ski Alpin kann bei stabiler Erkrankung und angepasstem Fahrstil möglich sein, während Tourenski hohe Anforderungen an Herz und Kreislauf stellt und nur für ausgewählte, sehr gut untersuchte Patientinnen und Patienten geeignet ist.
Eine individuelle ärztliche Beratung und realistische Selbsteinschätzung sind entscheidend, um Bewegung auch im Winter sicher und nachhaltig in den Alltag zu integrieren.
